Liebe mit schuben

novel


translated by Michael Kegler

I

Im Foyer eines Kinos. Ein Mann ging zur Bar und be­stell­te einen Kaffee. Ein paar Meter entfernt stand eine Frau und betrachtete gelangweilt die Plakate der kommenden Filme. Er hieß Armando und sie Artemísia.

Ein zweiter Mann, Arnaldo, kam von der Toilette, steuerte auf die Bar zu, erkannte Armando und begrüßte ihn überschwänglich.

Ihre lautstarke Unterhaltung ließ Artemísia aufblicken. Sie sah Arnaldo, winkt kurz herüber und kam, um ihm hallo zu sagen.

Arnaldo stellte ihr Armando vor, sie tauschten ein paar Belanglosigkeiten aus und plauderten über das Befinden ei­niger gemeinsamer Bekannter.

Und als Armando gerade etwas über den Film sagen wollte, den sie sich ansehen wollten, dreht Arnaldo, der ihn schon gesehen hatte, sich um und verschwand fast grußlos in der Menge, die inzwischen das Foyer bevölkerte und nun in den Kinosaal strömte.

Artemísia und Armando blieben sich gegenseitig überlassen. Erst schauten sie einander nur an, ohne eine Ahnung, was sie nun tun oder sagen sollten. Sie waren sich nie zuvor über den Weg gelaufen, aber es sah wohl so aus, als würden sie sich den Film nun gemeinsam anschauen. Dass sie beide Arnaldo kannten war ausreichend, um nicht ohne weiteres wieder auseinander gehen zu können.

Da es darüber hinaus nichts gab, worüber sie sich hätten unterhalten können, sagte Armando, ins Blaue hinein und ohne lang zu überlegen:

„Du hättest andere Schuhe hättest du anziehen sollen!“

Artemísia stutzte und starrte ihn an als überlegte sie, woher diese plötzliche Vertraulichkeit kam. Doch schnell fasste sie sich und entgegnete, ohne jedoch ihr Erstaunen zu verbergen:

„Ach, du magst meine Schuhe nicht …“ Und dann, mit bereits weniger stockender Stimme: „Bist du immer so gerade heraus und beleidigend?“

„Nur in besonderen Situationen“, erwiderte er.

„Du hast nicht einmal versucht, es diplomatischer zu sagen …“

„Ich spreche die Dinge lieber deutlich aus …“

„Mag sein, aber du kennst mich doch überhaupt nicht nicht. Jedenfalls nicht gut genug, um so mit mir zu reden.“

„Aber nur wenn ich so rede, kann ich dich kennen lernen.“

Artemísia verschränkte die Arme und starrte Armando frontal an. Es sei ja wohl auch kaum möglich, jemanden von einem Moment auf den anderen kennen zu lernen, sagte sie, worauf er entgegnete, man müsse Zeit sparen, blizschnell sein und die Distanz im Gespräch überwinden.

Artemísia dagegen vertrat die Meinung, dass Gespräche hierfür nicht geeignet seien. Die Leute seien doch meistens oberflächlich und wenig zugänglich. Das wahre Gesicht eines Menschen könne man höchstens im täglichen Leben erkennen, im wirklichen Leben, in schwierigen Situationen …

Doch Armando ließ sich nicht beirren: Worte seien das wichtigste, selbst wenn sie kein wirkliches Bild der Person wiedergaben. Selbst über die Lüge könne man etwas, oder besser gesagt, jemanden, gut kennen lernen.

Sie aber meinte, das sei nicht so einfach, und die Lüge führe die Menschen doch in erster Linie in die Irre, und Worte seien deswegen vor allem vergeudete Zeit.

„Du meinst also, dass Worte nur lügen …“ fragte Armando.

„Sie lügen vielleicht nicht, aber man kann damit auf jeden Fall sehr gut die Wahrheit verdrehen,“ antwortete Artemísia.

„Aber immerhin sind Worte geeignet, an jemanden heran­zukommen!“

„Das glaube ich nicht. Am Anfang steht meistens der Blick …“

„Blicke haben eher etwas mit Kino zu tun …“

„Und hast du jemals gezweifelt, dass Kino die ganz große Wahrheit ist, die größte, die uns im Leben begegnet?“

Dann ertönte der Gong. Der Film fing an. Sie stiegen die Treppen hinauf. Armando kramte in seiner Hemdtasche, seinen Hosentaschen, noch einmal in der Hemdtasche nach seiner Karte…

Während sie die Treppen hinauf gingen, fragte Armando noch, aus welcher Stadt Artemísia sei, doch er erhielt keine Antwort, nur eine ganz allgemeine Bemerkung über den Film, den sie sich anschauen wollten. Und daraus folgerte er, dass es wohl nicht der geeignete Moment sei, mit diesem Thema zu beginnen.

Im Moment war nur wichtig, dass Artemísia nicht plötzlich verschwand, nicht auf einmal irgendwo einen Bekannten erspähte, und ihn dann allein stehen ließ, verloren in dem dunklen Saal zwischen den Schatten der im letzten Leuchten des Sommers schimmernden Köpfe.

Doch sie setzte sich schnell auf einen freien Platz und bedeutete ihm, er solle sich neben sie setzen.

„Ich hoffe nur, du meckerst nicht weiter an meinen Schuhen herum …“, sagte sie mit einem verschlagenen Lächeln.

„Das klären wir nach dem Film“, antwortete er.

Und dann gingen die Lichter im Saal langsam aus und die Leinwand füllte sich mit Licht und Bewegung.

Sie sprachen kein Wort mehr. Sei seßen so nah beieinander, dass nichts unvorhergesehenes mehr passieren konnte.

Und so sehr Armando sich auch auf den Film zu konzen­trieren versuchte, es wollte ihm nicht gelingen. Er musste die ganze Zeit an Artemísia denken. Dann fiel im ein, dass es nachher recht peinlich werden würde, wenn er kein Wort zu dem Film würde sagen können. Natürlich könnte er dann einen plötzlichen Kopfschmerz vortäuschen, doch das wiederum würde ihm jede Möglichkeit nehmen, mit ihr nach dem Film noch etwas trinken zu gehen.

Er betrachtete Artemísia verstohlen und sah, dass sie sich von ihm weg lehnte. Sie hatte ihr Kinn in die Hand ge­stützt, und ihr Blick richtete sich auf nichts als das, was dort auf der Leinwand geschah. Er versuchte zu erraten, an was sie wohl gerade dachte, doch es gelang ihm nicht. Es gab Leute, deren Gedanken erriet er mit Leichtigkeit, bekam sogar mit, wie sie entstanden, konnte er verfolgen, ihren Verlauf und wo sie ins Stocken gerieten, doch bei Artemísia funktionierte das nicht. Schon gar nicht in einem dunklen Kinosaal, wo man keine Details ihrer Haut, ihres Mundes, ihrer Hände erkannte – Dinge die für das Gesamtbild von Bedeutung waren.

Immerhin ihre Beine konnten ihm ein Hinweis geben. Waren sie gespreizt oder übereinander geschlagen, eng aneinander gepresst oder zum Körper hin angewinkelt oder gemütlich lang ausgestreckt. Trotz der Dunkelheit konnte er die Beine problemlos erkennen in dem sanften Schimmer, der von der Leinwand aus auf den Boden herabsank und einen feinen Nebel bildete, der sich aus dem Nichts, aus der undurchdringlichen Dunkelheit heraus, auf die Dinge herabsenkte.

Artemísia hatte ihr rechtes Bein über das linke geschlagen, regungslos, ganz deutlich entspannt und ohne auch nur einen Gedanken noch an ihre Schuhe zu verschwenden. Und dann, nach und nach, entspannte sich ihr Körper noch etwas mehr, und plötzlich berührte ihr Arm den von Armando, und weder sie noch er machten Anstalten, zurückzuzucken. Der Abstand zwischen den Sesseln war ohnehin knapp.

In Sekunden war klar: beide versuchten, in rasendem Tempo, die Bedeutung dessen zu ermessen, was nun zwischen ihren beiden Armen passierte. Der erste Kontakt, so etwas wie der erste verbotener Kuss auf einem düsteren Dachboden, früher in der Jugend.

Sie überlegten, die Augen starr auf die Leinwand gerichtet. Und je angestrengter sie die riesigen leuchtenden Bil­der anstarrten, die sich über die Leinwand bewegten, desto mehr verdichtete sich alles auf den einen Punkt, an dem sich ihre Arme berührten.

Die Zeit, die sie nun reglos verharrten und das Unbekannte jenseits der Leinwand fixierten, entschied schließlich über alles, was von da an geschah. Hätte nur einer von beiden seinen Arm weggelegt, hätten Artemísia und Armando sich bis heute nicht kennen gelernt.

Ihr gegenseitiges Einverständnis jedoch in dieser Geste, in der Position ihrer Arme, dem leichten Druck ihrer Mus­keln, füllte ihre Begegnung mit Wärme. Ohne Worte (tatsächlich!) strahlte Artemísia etwas Faszinierendes aus, etwas Feselndes, Überzeugendes. Sie selbst dagegen war beunruhigt über Armandos Schweigen. As warf in ihr Fragen auf und immer schneller wechselten sich Hoffen und Bangen ab.

Dort, wo ihre Körper sich berührten, war kein Makel auf ihrer Haut, keine hervortretende Vene, keine verstopfte Pore. Sanft war das Gewebe, das ihre Arme unter dem einsamen Lichtstrahl, der den Saal von hinten nach vorne durchquerte, zueinander führte.

Armandos Arm war für Artemísia wie Kino. Ein Film, der sich aus der leuchtenden Leinwand gelöst hatte und sich ihr ohne Vorwarnung plötzlich an die Haut geheftet hatte. Was er wohl dachte, war ihr momentan gleich. Doch den Körperkontakt beizubehalten hießt für sie eine Botschaft zu übermitteln, die Armando allerdings auslegen konnte, wie er wollte …

Er andererseits wollte auf gar keinen Fall, dass sie dachte, er nütze eine vermeintlich zufällige, allzu offensichtliche Gelegenheit aus. Da er Artemísia ja überhaupt nicht kannte, fiel es ihm schwer einzuschätzen, ob sich ihre Arme mit Absicht berührt hatten oder nicht. Wenn er seinen Arm nun zurückzöge, könnte der Eindruck entstehen, er wolle mit ihr nichts zu tun haben, oder gar, der Kontakt sei ihm unangenehm. Das zumindest traf keinesfalls zu.

Wie sie auf seine Bemerkung über die Schuhe reagiert hatte, war zumindest nicht ganz entmutigend gewesen. Zumindest hatte sie ihm Gelegenheit gegeben, ganz offen zu strei­ten, und das war für den Anfang schon einmal kein ganz schlechter Start.

Armando meinte, etwas in ihren Augen erkennen zu können. Vielleicht Zustimmung, vielleicht Lust auf das Abenteuer, auf Risiko, etwas nicht einzuordnendes, auf das man reagieren konnte, ohne auf vorgefertigte Muster zurückgreifen zu müssen. So etwas nämlich war gar nicht sein Ding. Meist verlor er schlagartig das Interesse wenn ihm jemand mit Gemeinplätzen kam. Und wenn ihm aelbst, aus welchem Grund auch immer, nichts Besseres einfiel, zog er sich lieber zurück, selbst wenn es zum eigenen Nachteil war.

Armando überlegte, ob er sich das, was er spürte, nicht einfach nur einbildete. Artemísia saß neben ihm, weil sie sich einen Film anschauen wollte. Sie hatte sich ganz alleine dazu entschlossen und war nicht etwa mit ihm verabredet gewesen. Es lag daher nahe, dass sich ihre Arme rein zufällig und spontan berührt hatten. Und doch würde die Situation nun ein Teil ihrer beider Geschichte werden. Egal, was und wie viel sich daraus noch ergeben würde, Artemísia und Armando würden – mehr oder auch weniger – gezeichnet bleiben von der plötzlichen Dunkelheit dieses Kinosaals. Dadurch, wie diese Dunkelheit sie beide einander näher brachte – oder auch nicht.

Artemísia versuchte abzuschätzen, wie lange ihr Arm schon den von Armando berührte. „Länger als zwei oder drei Minuten ist verdächtig …“, überlegt sie.

Nach ungefähr dieser Zeitspanne, und nachdem sich nichts weiter getan hatte, überlegte sie, ob sie vielleicht aufstehen sollte und gehen. Doch nach weiterer Abwägung kam sie zu dem Ergebnis, dass dies ein zu heftiger, unangemessener und außerdem völlig überstürzter Eingriff in ihr weiteres Schicksal wäre. Stattdessen überlegte sie, könne sie einfach nur zur Toilette zu gehen. Das nämlich eröffnete eine ganz andere Möglichkeit: Auf dem Rückweg könnte sie sich verlaufen, ihren Sitz nicht mehr finden und aus diesem Grund gezwungen sein, bis zum Ende der Vorstellung woanders zu sitzen. Hinterher konnte sie immer noch alles erklären und Armando würde es ihr nicht einmal übel nehmen.

Doch dann fand Artemísia, dass dies doch etwas zu weit ging. Was wenn es ihn verschreckte? Menschliche Beziehungen gehorchen nicht immer der Logik …

Deshalb blieb sie an ihrem Platz sitzen, als seien ihr die Ideen ausgegangen, als fiele ihr nichts mehr ein, kein Plan, kein Ort, wo sie hingehen könnte … – mit dem Film, der vor ihren Augen vorbeirauschte, hatte das alles schon längst nichts mehr zu tun.

Armando dagegen kam auf die Idee, es sei vielleicht klug, seinen Arm noch etwas mehr an den ihren zu schmiegen, nur um zu sehen, ob Artemísia darauf reagierte. Und vor allem wie. Denn wenn die Berührung bis jetzt immer noch als rein zufällig durchging, würde eine zweite Phase, mit etwas mehr Annäherung, keinen Platz mehr für Zweifel lassen. Ihre Handlungsspielräume wären dann jeweils klar eingegrenzt.

Als er seine Überlegung in die Tat umsetze, nutzte Artemísia die Gelegenheit, sich genau mit der Hand des betreffenden Armes durch ihr Haar zu fahren, und zwar just in dem Augenblick, in dem der Druck von Armandos Seite her stärker wurde. Und das wiederum machte es ihm unmöglich, aus Artemísias Reaktion seine Schlüsse zu ziehen. Schließlich war ihre Bewegung exakt zeitgleich mit seinem Entschluss zusammengefallen.

Danach legte Artemísia ihren Arm nicht wider an dieselbe Stelle zurück, Armando hing also buchstäblich in der Luft, wusste nicht, was er tun sollte. Sich zurückziehen? Oder versuchen, sich weiter an ihren Arm, der jetzt eng an ihrer Hüfte lag, heranzutasten.

Armando zögerte, so weit zu gehen. Wer weiß? Am Ende sprang sie womöglich auf, beschuldigte ihn der sexuellen Belästigung, rief die Saalaufsicht und zeigte ihn schließlich noch bei der Polizei an. Den Leuten ist alles zuzutrauen. Und er wusste ja wirklich nicht, wie weit zu gehen Artemísia im Stande war.

Um den Abend nicht zu verderben, entschloss er sich, auf eine neue Regung von ihr zu warten. Vielleicht kamen sich ihre Arme ja noch einmal näher, vielleicht gab es eine weite­­re Botschaft, und die erste Berührung war vielleicht doch nicht nur Zufall gewesen.

Artemísia dagegen wartete nur auf eine günstige Gelegenheit, sich wieder durchs Haar fahren zu können und ihren Arm dann wieder neben den von Armando zu legen. Das allerdings in so betonter Unbefangenheit, dass sie Armando keine Möglichkeit gab, darin eine Absicht zu sehen. Sie wollte nicht, dass er sich Hoffnungen machte, aber auch nicht, dass er sie aufgab. Um ihn näher kennen zu lernen, musste er so lange wie möglich im Ungewissen bleiben. Nur war sie vielleichtin der Lage, Schillern seiner Persönlichkeit zu analysieren, seine intellektuellen Eskapaden zu verstehten und die Wirrungen seines Verhaltens.

Er dagegen wollte verhindern, dass eine mögliche zweite Gleichzeitigkeit ihrer Bewegung Artemísia einen Vorteil verschaffte, und darum lauerte er aus dem Augenwinkel heraus und beobachtete sie ununterbrochen.

Als er sah, wie sich ihre Hand erneut zum Kopf hin bewegte, nutzte er den Moment, rückte blitzschnell in seinem Sitz zurecht und klemmte sich beide Hände zwischen die Beine. Zumindest konne so keine peinliche Situation mehr entstehen.

Artemísias Arm landete schlaff auf der Armlehne. Schutzlos und einsam. Er spürte: Diese Runde ging an ihn, und des­halb gab es nun keinen Grund, sich bei der nächsten Gelegenheit noch lange zu zieren.

Also legte er seinen Arm neben den ihren, berührte ihn leicht und blieb dennoch gefasst auf die Ohrfeige, den Aufschrei, ihr Zurückweichen!

Aber sie wich nicht zurück. Ebenso wenig allerdings bewegte sie ihren Arm auch nur einen Millimeter in seine Richtung. Hätte sie es getan, es wäre ihr Eingeständnis gewesen, das Zeichen dafür, dass sie seine Bedingungen annahm, ihn wollte, ihn begehrte.

Also hatte Armando noch immer keinen Anhaltspunkt, und auch Artemísia konnte nicht fest annehmen, dass die bloße Tatsache, dass er seine Hände wieder zwischen seinen Beinen herausgeholt und seinen Arm wieder neben den ihren gelegt hatte, dem, was sie bereits über ihn wusste, irgend etwas hinzufügen konnte. Sie könnte nun höchstens versuchen, die sehr kurze Zeitspanne zu interpretieren, die er gebraucht hatte, um auf ihre Annäherung zu reagieren. Doch im Grunde sprach es nur für eine typische Unsicherheit.

Nach den Bewegungen ihrer Arme, die sich berührt und wieder voneinander entfernt hatten, war es keinem von beiden mehr gelungen, weitere, neue, konkrete Hinweise über den jeweils anderen zu bekommen. So entschieden sich schließlich beide dafür, sich in ihrer jeweiligen Position zu verschanzen. Die Karten, die sie für diese Vorstellung gekauft hatten, umgrenzten eindeutig jeden Millimeter an Fläche, der ihren Armen jeweils zur Verfügung stand.

Bis zum Ende des Films beachteten sie sich nicht weiter. Es schien, als würde niemals mehr etwas zwischen den beiden passieren. Weder eine Berührung der Arme noch ein heimliches aneinander Denken, keine verstohlenen Gesten im Rauschen der Schatten. Und so sahen sie aus wie ein Paar, das sich plötzlich und grundlos gestritten hat, und keiner von beiden ist in der Lage, in angemessener Zeit einen Schritt zur Versöhnung zu tun. Ihre Körper verharrten bewegungslos, solange es die Dunkelheit zuließ. Nur das Licht, das den Raum durchschnitt, flimmerte metallisch.

Doch ihr Schmollen war nur Schein. Im Wirklichkeit hatten Artemísia und Armando soeben einen Grad gegenseitigen Verständnisses erreicht, wie nur wenigen Menschen vergönnt ist. Auch wenn sie keinen zwingenden Grund hatten, einander endgültig näher zu kommen, gab es ebenso keinen Grund, wieder auseinander zu gehen oder sich gar zu zerstreiten. Die Ruhe und die Selbstverständlichkeit, die nun eingekehrt war in dem Raum, den ihre Arme teilten, war ein deutliches Zeichen dafür, dass sie jetzt alle Zeit hatten, einander tatsächlich kennenzuernen.